Menschheit und Sein

„Ich will…“ begann ich in Maß und Wert und so leicht es ist, mich selbst als etwas Seiendes anzusehen, das wenn auch eine suchtgetriebene Bewegung hat. In Sein und Nichts äußerte ich die Hypothese „Nähmen wir an, ich selbst wäre alles was existiert“ so wüsste ich dennoch, dass diese Hypothese falsch ist und sei es nur in dem Sinne, dass ich mich zwischen Nichtich und ich gespalten habe und ein „Du“ als ein Nichtich definiert ist. Ich wäre also auch dann von mir getrennt, selbst wenn alles was ist nur ich wäre und sonst nichts. Es ist keine vernünftige Annahme, sich als alles was es gibt anzusehen, dennoch befürchte ich, dass so mancher Mörder keine andere Perspektive hat, außer vielleicht dem Selbstmörder, der sich konsequenterweise dann auch sich selbst und nicht den anderen tötet.

Wenn du als der Leser und ich die einzigen in unserer Welt wären, dann wären wir die Menschheit. Doch ich weiß, dass es aus Dir und mir mindestens einen weiteren Menschen gibt, der das liest. Du müsstest also mir schon vertrauen, daß wir mindestens zu Dritt sind. Wenn dann Bernhard Qualität und Quantität kommentiert, müssten wir also schon annehmen, daß wir zu Viert sind, es sei denn ich hätte all das erfunden und spräche also nur mit mir selbst, das würde aber für Dich dann genauso gelten und wenn Du mir widersprichst, widersprichst Du Dir selbst. Es ist also eine überaus vernünftige Annahme, dass wir beide sind und darüber hinaus noch viele weitere. Das wir uns nicht selbst erdacht haben, sondern unser Denken selbst von anderen geprägt ist. Die Prägung schon dadurch erfolgt, welche Sprache unsere Mutter zufällig spricht. Und wenn Du jetzt zufällig einer meiner Geschwister bist, es sehr schwer anzunehmen ist, das wir unterschiedliche Mütter haben.. Wir gehen heute davon aus, dass das, was wir als Mensch bezeichnen, einen gemeinsamen Ursprung hat und wir alle die Nachfahren dieser Entwicklung sind. Das ist in gewisser Hinsicht die physische Basis auf der unser Geist steht. Es ist nicht auszuschließen, dass sich die Menschheit gespalten hat, in diejenigen, die wie Affen dahin vegetieren und nicht nach Erkenntnis streben und jene, die sich danach Strecken immer weitere Erkenntnis auf der Basis ihrer Vorfahren zu erringen. Die Affen suchen aber lieber nach Nüssen oder Bohren nach Öl.

Werte interessieren schon alleine deswegen nicht, weil sie den Affen daran hindern Nüsse zu sammeln oder nach Öl zu bohren. Das wäre nicht weiter schlimm, wenn der Mensch in einem System von Hasen und Füchsen bewegen würde, wo zu viele Hasen mehr Nahrung für die Füchse bedeutet. Möglicherweise sind zwar Einzelne von uns zum Denken fähig und mögen erkannt haben, dass wir nicht nur der Mittelpunkt unserer Welt sind, sondern in biblischen Worten die Krone der Schöpfung, aber diese Einzelnen mögen dann den Untergang ihrer Art beobachten, weil die Art als sie kein natürliches Gegengewicht mehr hatte, in ihrer Gier sich selbst vernichtete.

Es ist eine vernünftige Annahme, dass es die Menschheit gibt. Es ist allerdings ungewiss, ob die Menschheit als Ganzes vernunftbegabt ist oder nicht doch eine Funktion der Natur, die sich ohne Gegengewicht selbst erledigt. Damit ist dieses Geschreibsel hier aber nur das wertlose Gelaber einer untergehenden Spezies und ohne Wert.

Glaube ich nun, dass dies hier wertlos ist? In gewisser Hinsicht schon, denn wenn ich mir den Erfolg von Akif Pirincis Büchern anschaue, dann weiß ich ja auf welchen glorreichen Unsinn zumindest das deutsche Publikum steht. Unreflektiertes moralloses Gewäsch in starker schöner Sprache ist weit erfolgreicher. Vermutlich sieht es in anderen Sprachen dieser Welt nicht anders aus, nur würden meine Leidensgenossen gar nicht übersetzt und ich würde von ihnen gar keine Kenntnis erhalten. Möglicherweise jammert ja ein Chinese genauso wie ich irgendwo im Hinterstübchen über den Zustand der Menschheit in seinem sein, im Gegensatz zu mir würde er es im represiven System noch nicht einmal veröffentlichen. Marx oder Feuerbach hätten ohne ensprechende Sponsoren gar nicht überlebt, drei Kinder von Karl Marx sind gar verhungert. Wenn dann die Wirtschaftswissenschaftler bei besseren Gehalt den guten Karl Marx lehren, damit die Affen besser nach Öl bohren können und es besser vermarkten können, dann ist das keine Ironie der Menschheitsgeschichte, dann ist das eigentlich schon Sarkasmus.Doch manche Diskussionen und Erkenntnisse sind so uralt, wie Plutarchs Gemeckere „Viele greifen zu verderblichen Arzneien gleich den unzüchtigen Weibern, die, um die Wollust ununterbrochen zu genießen, Abtreibungsmittel gebrauchen“, daß ein „Darum kann es auch keine Sätze der Ethik geben. Sätze können nichts Höheres ausdrücken.“ (TLP 6.42) einem zwangsläufig richtig erscheinen muß. Derweil müsste es gar nichts Höheres sein. Es müsste ja nur die Annahme sein, dass die Menschheit ist und ein Recht zur Existenz hat. Wir alle also uns gegenseitig in unserer Existenz anerkennen und unseren eigenen Erhalt als logisch vernünftigen Grund respektieren. Wäre dem so hätten die Kinder von Karl Marx nicht verhungern lassen, aber möglicherweise waren wir vor 200 Jahren tatsächlich noch nicht dazu fähig. Heute wären wir fähig, aber wir sind nicht willig.

Eher töten wir ein paar Menschen für ein paar Blutdiamanten, damit die US-Milliardärsgattin schön geschmückt ist, als dass wir jeden Menschen in seinem Existenzrecht anerkennen und damit auch die Menschheit an sich. Möglicherweise ist der schöne Diamant dann noch mit Öl bezahlt, den wir dann in unseren Autos verbrennen und Wehe jemand klaut dem Deutschen sein Auto, da sei Akif Pirinçci vor.

Ich sehe schon der Artikel über Menschheit und Sein wird ein Rant über die Menschheit und ich reihe mich in sumerische Tontafeln ein, die beim Nachdenken über ihre eigenen Zeitgenossen über den Verfall der Sitten beklagten. Selbstverständlich ist die Menschheit, so wie sie ist. Die Welt ist da alles, was der Fall ist, und in der Gesamtheit der Tatsachen sind wir. Das Wir tritt in die Philosophie dadurch ein, dass die Welt unsere Welt ist. Es ist nicht meine Welt und es ist auch nicht Deine Welt. Es ist unserer aller Welt. Wenn zwei Philosophen sich streiten und bekriegen, beleuchten sie nur die unterschiedlichen Perspektiven unserer gemeinsamen Welt. Alle Aussagen sind zunächst einmal wahr, bevor sie überhaupt als falsch beurteilt werden können. Falsch ist hierbei eine Interpretation der Wahrheit. Das Falsche bewegt sich auf das Nichtsein zu, wie das Wahre sich auf das Sein, aber letztlich ist Sein der Name für das Nichts, wenn kein Unterschied mehr besteht. Aber es wird dadurch nicht alles unterschiedslos oder wertlos und schon gar nicht beliebig. Die Vergangenheit bestimmt dabei die Zukunft, sonst hätte man schon vor zweitausend Jahren Computer gebaut, die Physik hat sich in diesen zweitausend Jahren nicht verändert, hätte sie das, dann wären auch all unsere Erkenntnisse über weit entfernte Galaxien falsch, denn die Botschafter, die wir heute am Himmel sehen, sind teilweise älter. Wenn wir sagen das Kepler-11f zwischen 1,1 bis 4,5 Erdmassen hat, dann sagen wir das aus der Gewissheit heraus, dass vor 2000 Jahren dieselbe Physik herrschte, dennoch hätten die alten Römer keine Chance gehabt, etwas über Kepler-11f zu wissen, aber unserer Erkenntnis nach haben sich nur unsere Erkenntnisse verbessert und wir verändern damit auch unsere Welt. Doch wir können diese Erkenntnisse gar nicht mehr bewältigen und verarbeiten sie als Menschheit auch nicht. Einige Menschen stecken noch in Weltbildern von vor 2000 Jahren fest, wohingegen andere in Traumwelten schwelgen mit Raumschiffen zu Keppler-11f fliegen zu wollen. Beide Ansichten sind gleich irrsinnig. Wie komplett irrsinnig wir in unser Technikgetriebenheit geworden sind, mag der Amerikaner verdeutlichen, der für sowas, dass die Erde eine Scheibe ist, auch noch Resourcen verschwendet. Das trägt zu unserem Sein und zu dem was die Menschheit ist gar nichts bei. Es beweist höchstens, dass wir frei sind und uns auch vernichten können.

Wir sind nicht mehr, wenn wir nicht sind.

Wir sind.