Wert und Maß

Wie ich in Maß und Wert schrieb, ist die Axiologie nicht der Rede wert. Wir meinen den Wert von Pi zu kennen, wenn wir Terrabyte an Zahlenwerten sammeln und das dann als den Wert von Pi bezeichnen. Derweil ist beides nur ein Maß. Genauso verfahren wir, wenn Geld für etwas ausgeben. Wir meinen den Wert von etwas bestimmt zu haben, wenn wir einen Zahlenwert dazu angeben können. Auch das sind irgendwelche Quantitäten, die aber nichts mit Qualität zu tun haben. Nur weil wir etwas gemessen haben, haben wir noch lange nicht den Wert bestimmt. Wir haben einfach nur gemessen. Dazu neigen wir dazu das Denken der Mathematik zu übernehmen und der einen Seite die Bezeichnung Wert zu geben und der anderen Seite die Bezeichnung Maß. Tatsächlich aber sind beide Seiten zwei Bezeichnungen für ein vergleichbares Maß. Pi ist dabei dass, was wir messen oder ausrechnen wollen zum Beispiel und 3,141…. die Zahl das, was wir dem zuordnen. Es sind aber gar keine Werte, sondern eben lediglich Vergleichswerte von Maßen. Wenn ich nun die unendliche Reihe 3/10 + 3/100 + 3/1000 + …. zusammenaddiere, dann ist das ein Drittel, jedoch wäre das eine lauter Krümmel und das andere ein transportables Kuchenstück, wenn es sich bei dem Vergleich denn um einen Kuchen handeln würde. Es gibt sozusagen nicht messbare Umstände, die den Wert erheblich beeinflussen. Ein Mensch ist nicht in ein Drittel zu haben und schon gar nicht in 3/10 + 3/100 + 3/1000 + ….

Diese wirtschaftlichen Zahlenwerte bestimmen in der Zwischenzeit unser gesamtes Denken und dieses Denken wird insofern wertloser, weil die Forschung verarmt. Auf der Suche nach „Lehrstuhl für Axiologie“ kommt zumindest bei Google genau ein Wert raus, der Lehrstuhl für Axiologie und Sozialethik am Institut für Philosophie der Nikolaus-Kopernikus-Universität in Toruń“ und nicht einmal an der polnischen Universität darf es einen ganzen Axiologen geben.

Werte sind uns nichts wert.

Wir reden gerne über Werte und führen sie in politischen Debatten an und schmeißen dem anderen die falschen Werte vor. Aber von Werten selbst haben wir nicht nur keine Ahnung, wir treten sie mit Zahlen in den Abgrund. Was wir mit Werten versehen, sind eigentlich nur Vergleichsmaßstäbe und dabei wissen wir nicht einmal so genau, was wir da messen. Unser Maß mag dann verglichen mit einer Tagesausgabe am CERN für die erfolgreiche Suche nach dem Higgsboson sein, dass uns das in Zahlen den Wert der gesamten Jahresausgabe für Axiologieforschung in Deutschland um das Unendlichfache übersteigt. Die Grundlagen dafür, wieviel uns die Erkenntnis, ob es ein Higgsboson nun gibt oder nicht gibt (neuerdings wissen wir ja dass es dieses Teilchen gibt), wert sein sollte, gibt es nicht. Das jeder Forscher für seinen Fachbereich natürlich immer mehr Mittel haben will und die menschliche Neugierde unendlich ist, sei dahin gestellt. Hat sich das Mittelalter in der Finsterniss bezüglich der Naturerkenntnis befunden, befinden wir uns heute im Mittelalter menschlicher Werte. Der Mensch ist nur noch eine Maschine, die auch durch eine künstliche Intelligenz ersetzt werden könnte. Das Weltbild hat sich noch nicht ganz durchgesetzt, aber wir sind auf dem besten Wege dahin und vielleicht sind es ja nur die Hungerkatastrophen und Kriege, die dieses Weltbild noch nicht vollkommen zum Tragen haben kommen lassen.

Vielleicht kommt jetzt einer auf dem dummen Gedanken, der redet doch nur für seinen Forschungsbereich, damit er davon leben kann. Dann kläre ich den Leser hiermit darüber auf, dass ich keinen Zugang zu einer deutschen Hochschule bekäme, wir sind ein sehr bürokratisches und sehr reguliertes Land. So wie Joschka Fischer auch, erfülle ich nicht die Voraussetzung um auch nur irgendetwas an einer deutschen Hochschule tun zu dürfen.

Ohne Wert haben wir kein Maß.. Wir haben jegliches Maß verloren. Was wir tagtäglich tun ist wie wenn wir die Zahl Pi um einen Stelle erweitern, damit haben wir aber nicht an Wert gewonnen, sondern nur eine Stelle mehr. Wie kleine Kinder sammeln wir immer Mehr desselben. Es ist nicht so, dass sich grundlegende Werte nicht rational ermitteln ließen. Wir tun es halt nicht. 93.750 Euro habe ich in Wille und Unwille mehr oder weniger willkürlich eine menschliche Arbeitsstunde beziffert. Ganz so willkürlich war der Zahlenwert nun auch nicht, denn es ist der Preis, denn jemand bezahlen muss um eine Stunde auf der ISS zu verbringen. Und eigentlich ist dieser Zahlenwert noch viel zu gering angesetzt, da sich die ISS noch im Schutzbereich der Erde befindet und was es kosten würde, ausserhalb dieses Schutzbereiches eine Lebensstunde zu ermöglichen, mag noch viel höher sein. In keinem unserer ökonomischen Werte die an der Börse gehandelt werden oder in den Ausgaben des Staates bilanziert werden, ist dieser Wert des menschlichen Lebens an sich erfasst. Wenn also Bildungsausgaben für Forschungsbereiche nach deren Nützlichkeit entschieden werden, dann sind das objektiv keine realistische Zahlen. Es sind willkürliche Maßeinheiten, die nach unseren kindlichen Ansichten verhandelt worden sind.

Selbstverständlich messen wir, allerdings können wir gar nicht messen, weil wir nicht den Vergleich haben, was wir uns selbst Wert sind. Tatsächlich funktionieren auch so unsere Märkte ein Fussballspieler ist in Zahlen mehr Wert als jeder Arzt oder Krankenpfleger. Nicht zu vergessen, was es uns in ökonomischen Zahlenwerten, wert ist, jemanden mit einem Verbrennungsmotor sinnlos im Kreis herumjagen zu lassen, der dann auch noch sich ein Flugzeug kauft und die Steuern auf das Flugzeug geschickt legal hinterzieht. Was aber noch Peanuts sind im Vergleich zu Blutdiamanten oder quecksilberverseuchte Goldgewinnung im Regenwald. Dagegen sind die Gelder für das CERN ein Ausbund an Vernunft.

Aber wie oben ja schon geschrieben, wäre uns Bildung etwas wert, dann müsste es jegliche Form der Bildung sein und nicht nur in den hochgelobten MINT-Fächern. Die Naturerkenntnis und deren Grundlagen sind nur ein Wissensgebiet, was wertlos wird, wenn es sich nicht auch mit dem Erkennenden, sprich dem Menschen, beschäftigt. Möglicherweise kann eine Maschine sogar eines Tages erkennen, das sei dahingestellt, aber das kann uns als Menschheit, egal sein, denn diese Erkenntnisse sind dann nicht unsere Erkenntnisse und wenn wir uns abgeschafft haben, sind sie für uns absolut wertlos. Wir müssten eigentlich schon längst zu der Erkenntnis gelangt sein, daß wir auf einem fragilen Raumschiff Namens Erde leben, welches zerstörbar ist, zumindest dahingehend zerstörbar, daß wir nicht mehr darauf leben können. Eine Wirtschaft, die nicht die Pflege dieses Raumschiffes als Ziel hat, ist keine Wirtschaft. Eine Politik, die sich nach den zerstörerischen Zahlenwerten einer Ökonomie richtet, die das Wort Ökonomie eigentlich gar nicht verdient, weil sie nicht rational ist, ist keine Politik. Wenn die Wirtschaftswissenschaften tatsächlich den rationalen Umgang mit Gütern, die nur beschränkt verfügbar sind, untersuchen würde, dann müsste sie als erstes den Wert dieses Planeten für den Menschen beziffern.  Das kann die Ökonomie nicht, denn es fehlt ihr jeglicher Maßstab, es gibt keine vergleichbare Erde.  Dennoch ist diese Gut beschränkt, es gibt es nämlich genau ein einziges Mal in zumindest menschlicher Lebenszeit erreichbarer Entfernung. Der Wert für den Menschen sollte unbestritten sein, wenn wir als Menschheit denn überleben wollen. Bei den derzeitigen Verhandlungen zwischen den Staaten und den innerstaatlichen Verhandlungen, was zu tun sei oder nicht, scheinen da nicht zur Zweifel aufzukommen, sondern schaut man sich Trump und andere Verrückte an, dann ist es ziemlich gewiss, dass wir keine Werte mehr haben.

Wir haben kein Maß mehr.

Werte sind uns nichts wert.