Der Frieden

Das Wort Frieden sollte es eigentlich gar nicht geben, so wie es den Gegenteil von Durst  nicht gibt. Es sollte einfach so normal sein, genügend zu Trinken zu haben, dass nur die Abwesenheit den Mangel feststellt und es dafür ein Wort gibt und der Frieden so selbstverständlich ist, wie keinen Durst zu haben und nicht zu verdursten. Leider ist es genau andersherum, die latenten Kriegszustände sind eher normal als die friedlichen Zustände. Eine Gesellschaft ist selbst dann noch nicht friedlich, wenn kein Krieg ausbricht. Gegenpositionen ohne die Macht zu missbrauchen friedlich auszutauschen und allen gemeinsam das gleiche Recht zuzugestehen, sich an der gemeinsamen Sache zu beteiligen, ist eher selten. Um überhaupt friedlich miteinander leben zu können, müsste die Würde des Menschen jeweils immer beachtet werden. Doch das gelingt schon nicht mehr, sobald es der Andere ist, das Gegenüber, dass nicht ist wie wir. Ursula von der Leyen betrachtet ihre Soldaten als schützenswert und die Gegner ihrer Soldaten sind dann die Menschen, die es ihrer Ansicht nach wohl nicht verdient haben, genauso geschützt zu werden. Ein Wir der gesamten Menschheit gäbe es wohl nur dann, wenn es eine Bedrohung außerhalb der Menschheit gäbe. Aber selbst wenn es diese gibt, befürchte ich, dass wir sie gar nicht erkennen würde. Es ist leichter das Trennende zu erkennen als das Gemeinsame. Die Gemeinsamkeiten von Russland und der Ukraine in der Unfähigkeit die tatsächlich vorhandenen innenpolitischen Probleme zu lösen, werden nicht betont. Stattdessen wird die jeweilige Bevölkerung in einen Nationalismus gehetzt und selbstverständlich sind die anderen die Bösen. Wenn Putin so weiter macht, dann wird es mit einer friedlichen Lösung nichts. Leider ist die Ursache eigentlich viel komplexer, aber da die USA mit ihren Konzernen, der russischen Bevölkerung keine Zeit gelassen haben sich zu entwickeln, scheinen friedliche Lösungen nahezu ausgeschlossen. Der Überlegene stellt sich dar als ob er Recht wäre und vertuscht seine Schuld geschickt. Es nützt nichts seinen Friedenswillen zu betonen und den anderen nicht zu respektieren. Fehlt der notwendige Respekt gegen jeden Einzelnen und sollte er noch so Unrecht haben, wird es keinen Frieden geben. Niemand auf dieser Welt hat genügend Bildung um alles in allen Aspekten genau zu wissen, also kann jedem Standpunkt zugehört werden und versucht werden sich damit auseinanderzusetzen. Frieden verlangt Kommunikation, Kommunikation und nochmal Kommunikation.

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Der Krieg

Es nützt nichts moralisch, intellektuell oder sonstwie überlegen zu sein, wenn der Unterlegene seine Waffen auspackt. Es gibt keine gerechten Kriege. Es mag zwar nachvollziehbare Gründe geben, warum es zum Krieg gekommen ist, aber ein Krieg ist immer ungerecht. Vor einem Krieg geht immer ein Streit voraus, der nicht gelöst werden konnte. Die Beteiligten wähnen sich dabei immer im Recht und irgendwann findet auf beiden Seiten kein Austausch der Argumente und Wertvorstellungen mehr statt. Selbst wenn schon Platon vom gerechten Krieg spricht, ist es eher eine Rechtfertigung als eine wirkliche Begründung. Kriege lösen keinerlei Konflikte. Manchmal aber nur sehr selten sind sie wie gegen Serbien oder aber auch gegen das dritte Reich notwendig, weil einer mörderischen Ideologie nichts anderes mehr entgegengesetzt werden kann. Manchmal entstehen Kriege aus den Sünden und Fehlern der Vergangenheit, deswegen ist die Kriegsgefahr in der Ukraine auch so hoch, weil der Westen in seiner Überheblichkeit die russische Seele verletzt hat. Nachdem der kalte Krieg letztlich gewonnen wurde, ignorierten wir vollkommen die kulturellen Differenzen, die dennoch vorhanden waren und sind. Der westliche Kapitalismus meint die sozialen Fragen ignorieren zu können, weil er ja gesiegt hat. Gab es vorher im kalten Krieg soziale Bestrebungen im westlichen System, weil es ja ein Gegensystem gab, das zwar schlechter wirtschaftete, aber mit Arbeitsplatzgarantien und staatlicher Fürsorge dennoch ein Gegenmodell auf Kosten der Freiheit bot. Die Welt sortierte sich neu und als sich China auch dem Kapitalismus zuwandte, schien ja für die Konzerne alles in bester Ordnung. Es ist nicht verwunderlich, dass Russland zum ersten Mal einen systematischen Informationskrieg mit gefälschten Meldungen im Internet anfangen. Es wird zwar von russischer Seite gelogen, dass sich die Balken biegen, doch die eigene Bevölkerung glaubt dieser Propaganda. Es verwundert dann auch nicht, dass die deutsche Linke, der russischen Propaganda teilweise folgt, denn es ist ein tiefer gesellschaftlicher Konflikt immer noch vorhanden. Die Argumente der Minderheit werden nicht wahrgenommen und selbst wenn sie falsch liegen sollten, ist die Ignoranz der Überlegenen das schlechteste Mittel. Solche Konflikte sind die Wurzel des Krieges und Futter für radikale politische Kräfte. Eine Gesellschaft sollte sich immer bemühen alle an der gemeinsamen Sache teilhaben zu lassen und niemanden zu unterdrücken. Dauert die Unterdrückung nur lange genug, dann greift irgendwann irgendwer zu den Waffen und die Gewalt nimmt ihren Lauf.

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Die Philosophie

Schon vor Herodot wollten wir wissen. Leider ist nur wenig überliefert und damit beginnt der Begriff erst zu Herodots Zeiten langsam an Gestalt anzunehmen. Auf jeden Fall bewegen wir uns damit aus den Mythen heraus. Die Herrschaft der Götter und ihrer Stellvertreter und Hohepriester wie Pharonen wird gebrochen. Mit den Königen in Europa sind die Herrscher nur noch gottgewollt um dann von der Philosophie in der Aufklärung vom Thron gestossen zu werden. Je verbreiteter das Wissen wurde, desto machtloser wurden die Mächtigen. Tradidiertes offenes Wissen für jedermann stellt tatsächlich eine Gefahr für die Mächtigen dieser Welt dar. Um so mehr wird das Copyright verteidigt und auf die Urheberschaft wert gelegt. Wenn das Wissen zu Lebzeiten von einem jeden verwendet werden könnte, dann ist ja der Vorsprung dahin. Doch mit Popper und Wittgenstein ist das Heilsversprechen gefallen, dass man Wahrheit erreichen könne. Der Eine folgt Weismann, dass sich eine wissenschaftliche Hypothese zwar niemals erweisen, wohl aber, wenn sie falsch ist, widerlegen lässt, der Andere frägt sich zu Recht, was es denn bedeute, wenn wir Schwan sagen und implizieren, dass er weiß ist. Grob gesagt können diese Buchstaben einfach auch ein Zufallsprodukt von Schimpansen sein und nur zufällig wahr und das auch nur solange bis jemand das Gegenteil bewiesen hat. Der Wähler will aber von der Regierung die Wahrheit haben und er will die Führung wie durch den Hohepriester in der Vorantike. Sich selber in den Alltagsmühen um Erkenntnis zu kämpfen ist für manchen zu anstrengend. Die Volksparteien können also mit den Gewissheiten, die sie verbreiten, auf Stimmenfang gehen, selbst wenn die Verbreiter der Nachricht selbst gebildet genug sind, zu wissen, dass sie es nicht besser wissen. Mit der Wahrheit, dass wir es letztlich nicht wissen, lässt sich kein Blumentopf gewinnen. Die Tendenz auch bei sozialen Problemen zu naturwissenschaftlichen Methoden zu greifen, ist da nur logisch, denn die außermenschlichen Gegenstände suggerieren eine Gewissheit. Es ist aber dieselbe Scharlatanerie die schon die vorantiken Hohepriester drauf hatten, wenn sie eine Sonnenfinsternis vorhersagen konnten. Das Niveau mag sich etwas gehoben haben, aber letztlich wird sich hinter scheinbare Gewissheiten und angebliches Wissen versteckt. Die Philosophie ist, dass es ja angeblich zu komplex ist, dass der gemeine Wähler das nicht verstehen kann. Peter Sloterdijk plädiert dann für eine Elitenzüchtung, da der Humanismus gescheitert ist. Die Elite findet das natürlich toll und so darf er im öffentlich-rechtlichen Rundfunk rumturnen. Ein anderer philosophischer Rumturner in der deutschen Medienlandschaft Richard David Precht wird vorgeworfen, er würde Halbbildung fördern. Was aber die meisten übersehen, es gibt gar keine Vollgebildeten mehr. Die letzten Universalgelehrten sind über hundertfünfzig Jahre tot. Es bleibt nur die gemeinsame Zusammenarbeit und die Teilung des jeweiligen Wissens. Wir wissen zwar das jeder irrt, aber wir wissen nicht, was wir schaffen könnten, wenn wir wirklich alle gemeinsam an einer Sache nämlich unserer aller Sache arbeiten würden. Der Krieg und die Macht waren uns von jeher immer wichtiger als die Gemeinsamkeit aller Menschen. Hierbei ist es gerade für die Intellektuellen schwer einzusehen, dass ein Wachkomapatient dieselben Mitspracherechte haben soll wie ein Bundeskanzler. Eine Elite meint mit ihrem besseren Vermögen die Herrschaft begründen zu können, jedoch haben schon immer Eliten uns in das Verderben geführt. Weder Putin noch Poroschenko sterben in der Ukraine.

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Die Gesellschaft

Die Gesellschaft ist ein komplexes Gebilde und je nach Perspektive wird unterschiedliches darunter verstanden. Es ist aber grundsätzlich immer eine Verbindung von Menschen. Es mag tatsächlich von der Weltgesellschaft noch abgetrennte Menschen irgendwo im tiefen Regenwald geben, die nicht teil dieser Gesellschaft sind. Alle Staaten, die in der UNO vertreten sind, gehören zu der Interaktion einer Weltgesellschaft. Dabei befindet sich aber in jedem dieser Statten eine Zivilgesellschaft, die nicht direkt eine demokratische Vertretung in der UNO kennt. Je nach Organisationsgrad sind diese Zivilgesellschaften entweder nur in diesem Staat vertreten wie in Nordkorea oder aber über den Staat hinausgehend verfasst wie in Europa. So oder so verbreiten sich Ansichten, Meinungen und Urteile über Staatsgrenzen hinweg. Das war schon zu Meister Eckarts Zeiten so, wobei die Laufzeiten der Informationen vor tausend Jahren wesentlich länger waren als heute. Die Entwicklungen in Frankreich die zur französischen Revolution führten, befruchtete mit ihren Ideen die amerikanische Verfassung. 1885 ist Kant in Japan soweit bekannt, dass Bumaburo Watanabe in Japan ihn mit Buddha, Sokrates und Konfutse auf einem Bild darstellt. Die Ideen wandern durch die Weltgesellschaft und die Globalisierung ist schon lange da. Schneider und Schuster gibt es hier nicht mehr, dafür sterben ausgebeutete Textilarbeiter in Manchesterkapitalissmus ähnlichen Fabriken irgendwo auf der Welt. Verbrannten Ghandis Aktivisten noch britisches Tuch, so wäre es heute verwunderlich einen bedeutenden Tuchfabrikanten in Europa zu finden. Die Wirtschaft scheint scheinbar rational sich nach dem billigsten Standort zu orientieren und sich nicht darum zu kümmern, was eventuell sinnvoll ist. Der Transport ist letztlich innerhalb der Gesellschaft zu billig.
Containerschiffe fahren auf den Weltmeeren mit Motoren, die Abgase in die Atmosphäre blasen, die in keiner europäischen Stadt betrieben werden dürften. Jede Teilgesellschaft also jeder einzelne Staat ist letzlich auf seinen Vorteil bedacht und würdigt eine Weltgesellschaft nicht eines Blickes. Konzerne hingegen stecken ihre Terrains weltweit ab und fühlen sich der Gemeinschaft überhaupt nicht mehr verbunden. Sie rekrutieren ihr Personal aus karrieregeilen jungen ethiklosen Menschen, die jeden als Spinner betrachten, der so eine Chance ausschlägt. Wenn sie nach dem vierzigsten Lebensjahr eine gewisse Karrierestufe nicht geschafft haben, werden sie vom System ausgespuckt und der Nachwuchs steht schon parat. Die Berufspolitik bildet diesen Nachwuchs willfährig aus und vernachlässigt Ethik und Geist und das Humboldtsche Ideal vollkommen. Es wird nur dahingehend noch berücksichtigt, dass ein bisschen Pseudobildung schon sein muss, damit das ganze nicht gar zu billig daher kommt. Die Erfolgreichen glauben, es sei ihre Leistung, derweil sind sie nur die Lottogewinner und wahrscheinlich wären fünfzig andere Menschen parat gestanden, ihre Arbeit genauso gut zu erledigen. Und weil sie dieser Hybris erlegen sind, gestatten sie sich selbst Gehälter und Altersversorgungen die teilweise das Hundert- bis Zweihundertfache eines normalen Arbeitnehmers in einem westlichen Industrieland und über Tausendfache wen nicht gar das Millionenfache nicht gar eines Arbeiters in Entwicklungsländern betragen. Selbst Gründer die superreich werden, werden vom System irgendwann ausgespuckt und nur noch zum Aktionär.
Dieses Gesellschaftssystem kümmert sich nicht mehr um eine gemeinsame Sache wie in einer griechischen Polis, sondern ist nur noch reiner Selbstzweck. Der Erfolg ist nur noch um des Erfolges willen gegenüber dem Konkurrenten dar und die Schar der Angestellten sind vereinzelt dressierte Erfüllungsgehilfen, die gar nicht mehr Wissen, wie das Gesamtgeschäft läuft. Kein Bankangestellter hat einen Prozessablauf überhaupt noch im Blick und weiß welche Geschäfte ihre Bank da tätigt. Die Programmierer und Mathematiker im Hintergrund arbeiten nach theoretischen Modellen und das was nicht mehr die Maschine machen kann, das wird dann als Objekt an einen Menschen, der den Gesamtprozess nicht mehr verstehen muss, ausgegliedert. Und weil das System scheinbar so komplex ist, wird vom Lobbyisten dem Politiker eingeflötet, dass es Sachzwänge gäbe, die die Wirtschaft zusammenbrechen lassen würde, wenn die große Politik da nicht folgen würde.

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Die Politik

Akif Princçi kotzte sich in „Deutschland von Sinnen“ aus. Es ist ein emotionales politisches Buch und es ist ein nationalistisches Buch. Letztlich aber hat es kein Fundament und zeigt eine Oberflächlichkeit, wenn es um eine politische Ethik gehen sollte. Doch er legt ehrlich seinen Standpunkt da und vertritt wenigstens seinen Standpunkt und er zeigt auch an Judith Butler auf, dass manches nicht mehr oder möglicherweise noch nie verstanden worden ist. Die Politik ist auch jener Marktplatz. Politik ist die Kommunikation, das Handeln und Unterlassen oder auch nur das Dulden innerhalb unserer aller gemeinsamen Sache. Prof. Dr. Paul Kirchhof hat sich redlich bemüht eine Steuerreform einzuleiten und fertige Gesetze dazu geschrieben. Die politische Berufspolitikerkaste hat ihn letztlich mit ihren Tricks politisch hingerichtet. Es geht dabei nicht mehr um die gemeinsame Sache und der Versuch einer Einigung mit allen, was zu tun wäre. Es scheint zumindest in der deutschen Berufspolitik nur noch um den Macherhalt zu gehen. Paul Kirchhof dient dazu nur als Wahlversprechen, was hinterher sobald die Kaste sich die Macht für die nächsten vier Jahre wieder gesichert hat, weggeschmissen wird. Die Mehrheit der Wähler in ihrem konservativen Wahlverhalten spielt dabei eine wesentliche Rolle, da sie keine Experimente im deutschen Bundestag wollen. Es ist ja nicht so, dass es nicht genügend Parteien in der deutschen Parteienlandschaft gäbe. Doch gut sechzig Prozent der Bevölkerung wählen die beiden Volksparteien, die wenn es nicht mit einem kleinen Koalitionspartner langt im Zweifel gemeinsam regieren. Die traditionellen Wähler regen sich zwar gerne innerhalb der Legislaturperiode auf den Stammtischen auf, aber wenn es dann möglich wäre die Machtverhältnisse zu ändern, wird das nicht getan. Es sind „die da oben“ die immer schuld haben, ohne die eigene Schuld wahrzunehmen. Erfolgreiche Oppositionsparteien wie die Piraten, ÖDP oder andere die nie in das Bundesparlament eingezogen sind, erhalten häufig einen Zulauf kurz nach den Wahlen, wenn der Wähler wieder feststellt, dass er verarscht worden ist.
Das Gedächtnis ist aber so kurz und die Wahlstrategen der Volksparteien ist das kurz nach der Wahl sowas von egal, dass drei Jahre später wieder die Volksparteien die Regierung stellen werden. Dabei sind auch die Nichtwähler wesentlich daran beteiligt, denn eigentlich ist der Anteil in der Bevölkerung nur dreißig Prozent. Ein Drittel herrscht so über den Rest der Bevölkerung. Wobei hierbei nur eine Personenklientel von ca vier bis acht Millionen Menschen die Macht an sich gerissen hat. Die drei Millionen Beamten haben sich dabei Vorteile in der Alterssicherung geschaffen, die jeden Arbeitnehmer verhöhnen. In Bayern hat dieser Machtbeamte klassischerweise auf Landesebene ein CSU-Parteibuch in NRW wohl eher ein SPD-Parteibuch, aber im Zweifel würden sie zusammenarbeiten um die Macht sich zu erhalten.
Das kann man als politisch stabile Verhältnisse betrachten. Es kann aber auch als verknöcherte Oligarchie betrachten, die sich in der Zwischenzeit Gelder per Gesetz zum Beispiel M. DuMont Schauberg mit dem Bundesanzeiger zuschustert. Das dies öffentlich ohne Widerspruch getan werden kann, zeigt wie skrupellos und sicher die Mächtigen sich hierbei fühlen. Es ist nicht mehr das Regeln der gemeinsamen Sache von Interesse, sondern es zählt nur noch das eigene Klientel. Ein Vertretung der anderen sechzig bis siebzig Prozent der Bevölkerung findet gar nicht mehr statt. Der Nichtwähler, der das letztlich duldet, weil er nicht zu Wahl geht, ist dabei genauso schuld wie der Wähler, der die Volksparteien immer wieder gewähren lässt und sie nie für das Brechen von Wahlversprechen abgestraft hat.
Akif Princçi beginnt sein Buch mit einem Loblied und sehr ich seine Sprachgewalt schätze, so sehr ist sein Grünenhass abzulehnen. Er gehört sicherlich zu den Gewinnern des Systems und damit ist es aus seiner Sicht nicht unverständlich, dass er dieses System lobt und verteidigt. Er würde es wohl gerne noch ein wenig radikalisieren und die Zwischenstufe Staat ausschalten wollen mit einem Steuerstreik. Das aber eigentlich nur der Wohlstand aller und die Bildung aller letztlich die Stabilität gewährleistet, begreift er dabei nicht. Je mehr die Schwachen in einem Land benachteiligt werden und je weniger Teilhabe ihnen gegeben wird, desto mehr wächst die Gewalt. Perspektivlosigkeit und Ohnmachtsgefühle sowie kein Bildungszugang und mangelnde soziale Teilhabe schlagen sich nicht in Wählerstimmen nieder. Eher entsteht daraus ein Amokläufer oder ein Mörder, der Selbstmord ist dabei noch die nichtagressive Variante. Wenn wieder eine Schlagzeile ist, dass irgendsoein Arbeitsloser auf einen Sozialamtsmitarbeiter losgegangen ist, dann ist dies auch noch die harmlosere Variante. Schlimmer wird es dann schon wenn die Radikalen sich in sozial schwache Wohnviertel begeben und Stimmung gegen Asylantenheime machen. Sie können dort nur deswegen fischen, weil die Politik dort versagt.
Eine gemeinsame Sache würde aber bedeuten, dass alle Interessen letztlich berücksichtigt werden. Doch haben wir uns ein System geschaffen, dass Geld schon beim Einzug in die Parlamente ein bestimmender Faktor geworden ist. Kein ALGII-Empfänger hätte jemals eine realistische Chance in ein Parlament einzuziehen, weil ein Wahlkampf für ihn nicht leistbar ist. Er hätte zwar Zeit sein Klientel zu vertreten, aber nicht die Mittel. Somit sind nicht nur bestimmte Berufskasten wie Beamte in den Parlamenten vertreten, jene die keine Beamten sind gehören in der Regel eher zu den Vermögenden. Die Armen in der Bevölkerung haben überhaupt keine Vertretung in den Parlamenten. Die zu hohen kolportierten Sozialkosten sind dabei bei genauerer Untersuchung auch noch gar nicht mal so hoch, denn die Einlage für eine Argegmbh kommt mitnichten bei den Armen an. Auch die Schulungskosten für Arbeitslose für sinnlose Beschäftigungsmassnahmen landen bei Arbeitgeberverbänden, Gewerkschaftsunternehmen und Sozialverbänden. Der neueste Trend ist dann die Organisation von Essenverteilorganisationen wie die Tafeln womit die Armen dahingegend entmündigt werden, dass sie nicht nur das Geld zum Leben nicht mehr haben, sondern sich gegenüber solchen Organisation wohlverhalten müssen um nicht zu verhungern. Gleichzeitig dienen die Armen hervorragend als Druckmittel auf den unteren Mittelstand, der zu verarmen droht. Der untere Mittelstand wird damit doppelt abkassiert, da er einerseits Steuern zahlt, andererseits Konstruktionen wie der M. DuMont Schauberg-Gruppe Geld anweisen muss und selbst mit geringeren Finanzmitteln ausgestattet ständig mit dem Rücken an der Wand steht. Aus Angst zu den Armen zu gehören, unterstützt er dann noch seine Abkassierer und es ist auch zur Ergatterung der Aufträge wichtig das richtige Parteibuch zu haben. Damit beeinflusst wiederum dieser Mittelstand seine Angestellten das richtige zu wählen und schaut über seine Verbände, dass er wenigstens hier und da ala günstigere Mehrwertsteuer für Hotels eine Vorteil für sich rausschlägt. Das dieser Mittelstand schon längst verloren hat, weiß er nicht.

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Die Ethik

Wir appellieren ständig an die Vernunft und fordern vernünftige Politik. Dabei vergessen wir, dass es nicht immer eine Frage der rationalen Entscheidung ist, sondern das soziale Handeln auch der Ethik bedarf. Es kann rational scheinbar vernünftig sein, alle Daten zu sammeln und mit der Prämisse der vollständigen Information über Modelle scheinbar mehr Sicherheit herzustellen. Ethisch ist das allerdings falsch, da es die Freiheit des Menschen zurückweist. Selbst wenn sich die Freiheit naturwissenschaftlich als Illusion herausstellen sollte, ändert das nichts an unserer sozialen Verfassung. In einer idealen Weltgesellschaft geniest jeder Mensch, egal wo er sich befindet, die gleichen Rechte. Obwohl wir die Menschenrechte durch die UN-Vollversammlung beschlossen haben, wissen wir, dass diese gleichen Rechte nicht vorliegen. Die Moral ist in diesem Punkt nicht vorhanden. Es werden zwar die Menschenrechte kommuniziert, aber es bleibt bei dieser Kommunikation. Wir missachten diese grundlegende Rechte aller Menschen. [G]
Je weiter Gesetze sich von ethischen Maßstäben entfernen, desto weniger ist ein Recht noch im Sinne einer gemeinsamen Sache. Die Kantsche Aussage „Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“  [H]  hat also einen Fehler, weil das allgemeine Gesetz Annahmen des Einzelnen trifft ohne sich in den politischen Diskurs zu begeben. Es bedarf allgemeiner ethischer Grundlagen um dann darauf Gesetze beschließen zu können. Wenn ich die Grundlage setze, dass das Leben eines Bundeswehrsoldaten mehr wert ist, als das Leben desjenigen gegen den die Bundeswehr in den Krieg zieht, dann schätze ich das Leben aller Menschen nicht gleich hoch ein. Aus dieser mangelnden Ethik heraus, ist ein allgemeines Gesetz zur Ausrüstung der Bundeswehr mit Kampfdrohnen kein Problem. Es ist ethisch dennoch falsch. Wenn keiner eine Waffe trägt und niemand es für notwendig erachtet Waffen zu tragen, dann brauche ich auch keine Waffengesetze, weil die Gesellschaft als ganzes eine friedliche Gesellschaft ist. Sicherlich kann eingewendet werden, dass sowas unmöglich ist, dann frage ich mich aber warum die Mayas auf Türen verzichten konnten. Es kommt auf den Gemeinsinn einer Gemeinschaft an und die Tragweite, die die gemeinsamen Beschlüsse haben. In Deutschland wird weit nicht so geschrien wie in slawischen Ländern, das fällt nur niemandem auf, da es ein gesellschaftlicher Grundkonsens ist, das Lautstärke nicht zwangsläufig eine Bedingung für die Wahrnehmung ist. Überhaupt hatte sich Gewalt vor dem eisernen Vorhang gesellschaftlich reduziert und mit umso größerer Überraschung, nachdem sich ja sogar die Verbrecher an geringere Gewalt gewöhnt hatten, traf der Fall der Mauer die brutaleren Raubzüge der Verbrecher hinter dem eisernen Vorhang. Mehr Überwachung löst aber diesen Grundkonflikt nicht. Wenn nicht die gleichen ethischen Grundsätze vorliegen, dann helfen auch Gesetze recht wenig. Eine menschliche Gemeinschaft müsste von sich aus und aus innerer Überzeugung auf Gewalt und Waffen verzichten. Doch hat das bisher keine Gesellschaft auf Dauer geschafft. Mohandas Karamchand Gandhi konnte seinen gewaltfreien Widerstand möglicherweise nur deswegen leisten, weil das britische Empire einen Konsens hatte, welche Gewalt noch zulässig war und welche nicht. Gesetze sind nichts wert, wenn sie ethisch nicht verankert sind und die gemeine Sache darin nicht eine Übereinkunft erzielt hat.

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Der Anstand

Unsere grundlegenden Wertvorstellungen werden ignoriert. Es gehört sich nicht Menschen zu töten, wenn der Artikel 1 des Grundgesetzes noch irgendetwas gelten soll. Diskutierte die Republik in den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts noch, ob es denn überhaupt eine Armee braucht, sind wir heute soweit, dass nicht nur das nicht mehr in Frage gestellt wird, nein wir wollen wieder Vernichtungsmaschinen einführen. Das ist unanständig insbesondere aus der Perspektive der deutschen Vergangenheit. Die Todesstrafe ist ein Relikt, welches Jean-Jacques Rousseau noch zu begründen versuchte. Doch es gibt keinen anständigen Grund, der diese Form der Strafe rechtfertigt. Die Vereinigten Staaten von Amerika sind diesbezüglich rückständig. Mord ist unanständig und nur weil sich jemand unanständig verhält, hat der Staat und seine politischen Organe nicht das Recht sich ebenso unanständig zu verhalten. Ob das nun in der Rechtsprechung ist oder im Verteidigungsfall, ein anständiger Staat versucht alle Wege zu gehen um den Anstand zu wahren. Der Anstand ist hier eine Selbstbeschränkung sich nicht auf die Mittel der Unanständigen einzulassen. Das bedeutet nicht mangelnde Entschiedenheit an den Tag zu legen oder auch nur zurückzuweichen, wenn wie im Kossovo oder Syrien jeglicher Anstand aufgegeben wird. Möglicherweise hätte es jeweils schnelleres entschiedeneres Handeln auf internationaler Ebene bedurft, damit die schlimmsten Folgen hätten vermieden werden können. Doch genauso wie es der Nichtwähler unterlässt sich an der gemeinsamen Sache zu beteiligen, so unterlassen es auch Staaten rechtzeitig einzugreifen. Solange sie nicht gestört werden, meinen sie es es alles in Ordnung. Erst wenn es zu spät ist, wird dann letztlich unanständig reagiert, weil die Zeit des Anstandes vorbei ist.
Die Menschenrechte sollten unsere Richtschnur eines anständigen Handelns sein. „Da die Anerkennung der angeborenen Würde und der gleichen und unveräußerlichen Rechte aller Mitglieder der Gemeinschaft der Menschen die Grundlage von Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden in der Welt bildet,“ [F]  schreibt sich die UN 1948 in das Stammbuch und nimmt Bezug auf die Barbarei des zweiten Weltkrieges. Doch die Worte alleine scheinen nicht zu helfen, wenn sie nicht mit Leben erfüllt werden. Nach 1948 hat das Töten nicht aufgehört und auch Kriege gab es genug. So wie 1907 das deutsche Reich dem Haager Staatenbund nicht beitraten und er scheiterte, traten die USA nicht dem Völkerbund bei. Schließlich finden wir nach dem zweiten Weltkrieg die vereinten Nationen vor in der alle Großmächte vertreten sind. Doch was nützt es, wenn die wohlfeilen Worte nicht gelebt werden. Sechzig Jahre nach dem Beschluss der Vereinten Nationen sind in keinem Staat dieser Erde die Grundlagen die dort formuliert worden sind umgesetzt. Im Gegenteil das Wort Menschenrecht verkommt in den Sonntagsreden der Berufspolitiker zu einem gern gesehenen Begriff, dessen Inhalt aber nur noch hohl ist. Aber schon Sokrates soll seine Gesellschaft gegeisselt haben, dass Anstand, Sitte und Moral verkommen. Es scheint fast so, als ob die Gräueltaten nur lang genug her sein müssen, dann will keiner mehr die Lehren daraus hören oder sie auch nur befolgen.

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Die Aufklärung

“Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines andern zu bedienen. sapere aude! habe Mut dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! Ist also der Wahlspruch der Aufklärung.” [D]  so sagt Kant. Jedoch ging er davon aus, dass Begriffe und Urteile nicht missbraucht werden könnten. Wenn uns das letzte Jahrhundert eines gelehrt hat, dass Begriffe manipulativ zu falschen Urteilen führen können, da die Sprache uns prägt. Die Verführung mag am Hitlerjungen Salomon deutlich werden, der nur überleben konnte, dass er quasi sich selbst verfolgte. Er hat als Jupp seine Unmündigkeit nicht selbst verschuldet, sondern er wurde sozialisiert in einem barbarischen System. Wenn wir in der Naturwissenschaften noch feststellbare außer uns liegende Sachverhalte haben und wir mit Hilfe des Verstandes zu vernünftigen Einsichten kommen können, so sind unsere sozialen Einsichten immer auch geprägt durch unsere Sozialisation. Wir stehen immer unter der Leitung anderer. Ein Menschenleben langt nicht aus um die Erkenntnisse über die Welt als einzelner durch eigenen Verstand und eigene Vernunft zu erlangen. Wir gründen unsere Ansichten immer auch auf den Erkenntnissen unserer Vorfahren. Selbst wenn wir wie Zamenhof eine Weltsprache schaffen wollten, dann müssen wir daran scheitern, denn wir sehen gar nicht, welche Irrtümer wir dabei begehen könnten.
Unser Verstand und unsere Vernunft blickt immer durch die menschliche Brille und so ist es nicht verwunderlich, dass Wittgenstein schließlich die Leiter wegschmeißen will und zum Schweigen rät. Das aber können und wollen wir nicht akzeptieren und somit ist es nahezu nicht verwunderlich, dass er auf Popper angeblich mit dem Schürhaken losgeht. Wie sehr unser Urteil an den verwendeten Mitteln hängt und die Begriffe, die sich daraus bilden, das angebliche vernünftige Urteil quasi schon anlegen, das hat Popper nie begriffen und kann es nicht begreifen. Kein Wunder, dass gerade Naturwissenschaftler lieber Popper als Wittgenstein mögen, denn zur Beschreibung eines außermenschlichen Gegenstandes mag die Methode wunderbar taugen. Doch die gemeinsame Sache, an der jeder von uns beteiligt ist, ist kein außermenschlicher Gegenstand. Wir sind in einem System in einer Gesellschaft der Gesellschaft [E]  gefangen und alles was wir über uns sagen, sagen wir von uns aus. So wie wir nicht nicht kommunizieren können im Watzlawickschen Sinne können wir uns auch nicht ausserhalb unserer menschlichen Ansicht begeben. Wir können uns nicht von außen neutral beobachten und zu einem wirklich neutralen Schluß gelangen. Es mag da zwar wesentliche Unterschiede geben, ob wir nun eher konfuzianisch oder christlich sozialisiert wurden, jedoch mögen die gar nicht so groß sein, hätten wir eine übermenschliche Perspektive.
Um so erschreckender ist es eigentlich, daß noch nicht einmal die Aufklärung wirklich bei einem Großteil der Unterlassenden angekommen ist. Es mag ja sein, dass wir unsere Unmündigkeit nicht wirkklich verlassen können, jedoch versuchen wir nicht einmal ein wenig mündiger zu werden. Im Gegenteil an jeder zweiten Ecke darf sich ein Politiker anhören, dass er das Dilemma, welches es auch immer sei, lösen soll. Der Fordernde ist dabei aber selbst Teil dieses Gegenstandes seiner Forderung und sollte erst einmal selbst versuchen seinen Beitrag zu leisten. Jedoch aufgrund seiner mangelnden Aufklärung und auch seiner mangelnden Bildung kann er es nicht. Aus dieser Erkenntnis heraus schrieb ich früher immer, dass ich mich irre und falsch liege und alles was ich schreibe falsch ist. Nur gibt es weit größere Idioten als mich, die ständig glauben, dass sie die Wahrheit sprächen und meinen alles richtig zu sehen. Gerade die Erfolgreichsten und Handlungsfähigsten gehören dazu, denn würden sie nicht Gewissheiten haben, aus denen heraus sie handeln, könnten sie es eben nicht mehr. Sie wären wie ein Mensch der vergessen hat, wie man läuft und nur noch durch die Gegend stolpert. Jeder Mensch braucht für seine Handlungen ein gewisses Grundgerüst der psychologischen Stabilität. Es ist wahrlich zum wahnsinnig werden und Nietzsche wurde es dann ja wohl auch. Letztlich verwundert es mich aufgrund der schwierigen Sachlage nicht, dass Alan Sokal sich über die Philosophie und insbesondere Lacan lustig macht. Ein Physiker hat seine Gewissheiten und schwimmt darin nicht, da sein Gegenstand außermenschlich ist. Ein Berufspolitiker und Manipulator schwimmt letztlich ebensowenig, da er sich seine Gewissheiten einfach frei erfinden kann und im derzeitigen Weltauffassung am besten noch mit naturwissenschaftlich verbrämten Zahlen untermauert, die ebenso haltlos sind wie die gesamte Erkenntnis selbst. Wir sind nicht aufgeklärt, was unser soziales Handeln anbelangt. Die Aufklärung hat viel für unsere Ansicht über die außermenschliche Welt getan, aber unsere Sicht hat auch viel zerstört was die intrinsische Seite der Menschheit anbelangt.

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Von der gemeinsamen Sache

Die Bücher über die Gesellschaft und die Polis und Politik sind zahlreich. Es ist wie mit dem Wirtschaften und der Volks- und der Betriebswirtschaft, es gibt ein paar gute Rezepte, allerdings niemand weiß wirklich wie es funktioniert. Das einzige was der Mensch nicht kann, ist letztlich außerhalb des Menschen sich von außen zu beobachten. Jeder von uns ist ein Teil dieser Menschheit und kann nicht aus seiner Haut. Es ist also letztlich ein leichtes die außermenschlichen Gegenstände zu untersuchen und zu erforschen. Ja selbst der rein materielle Teil von uns, ist uns leichter zugänglich als die gesamte Interaktion aller unserer Teile. Der einzige Grund, warum dieser Text nicht in englisch, russisch oder sonst einer Sprache geschrieben ist, ist, weil diese Sprache meine Muttersprache ist. Die Sprache prägt aber mein Denken. Damit sind meine Gedanken unter Umständen nicht übersetzbar. Aber schon den Gedankenaustausch verweigern wir, weil wir politisch wohl der Meinung sind, dass Sprachwissenschaften nicht die gleiche Wertigkeit besitzen, wie eine Kampfdrohne zu entwickeln. Der Mensch, der dann der Kampfdrohne begegnet, muss also sterben, weil wir nicht bereit sind in den Dialog zu investieren. So sehr wir uns also von Außen systembedingt nicht untersuchen können, so sehr sind wir gemeinsam verbunden. Das was uns von der Welt trennt, ist das was uns miteinander verbindet. Es gibt eine gemeinsame Sache eine res publica. Doch offensichtlich können wir nicht einen Standpunkt einnehmen. Jeder einzelne von uns ist letztlich auf seinem Standpunkt. Die Menge mag zwar eine sein, aber die einzelnen Punkte in der Menge sind eben verschieden. Selbst in der engsten Beziehung untereinander stimmen wir niemals vollständig mit dem anderen überein. Die Gründe dafür mögen die unterschiedlichsten Ursachen haben und sei es auch nur der unterschiedliche Geburtszeitpunkt eineiiger Zwillinge. Selbst wenn der genetische Code identisch ist, werden sich die Menschen nicht gleichen und den gleichen Standpunkt einnehmen können. Alle Standpunkte haben zunächst einmal das gleiche Recht, aber sie sind niemals gleich. Wir alle sind viel zu verschieden, als dass wir wirklich übereinstimmen könnten.
Diese grundlegend vorhandene Differenz führt, wenn wir uns eben ausdifferenzieren, nicht nur zu unterschiedlichen Sprachen sondern leider eben auch häufig genug in der Geschichte der Menschheit zu Krieg und Auslöschung. Die Vernichtung anderer Spezies mag da vielleicht noch hingenommen werden, wobei wir noch nicht einmal wissen, was wir jeweils damit anrichten und uns letztlich nicht doch den Ast absägen, auf dem wir sitzen. Wir handeln. Selbst wenn wir nicht handeln, also unterlassen, dann handeln wir im politischen Sinne. Die meisten Bürger in einem Gemeinwesen wissen nicht, dass sie tagtäglich Politik betreiben, da sie meinen unpolitisch zu sein und nur ihrer Arbeit nachgehen würden. Sie bilden sich ein, was Politiker machen, sei die Politik. Tatsächlich aber ist es unserer aller Sache. Jeder ist Gegenstand der Politik, weil jeder ein Teil des Sozialen ist. Die Verbindlichkeit aller in dieser gemeinsamen Sache verbunden, kann sich nur dadurch herstellen, dass auch diejenigen, die sich scheinbar nicht beteiligen und es somit durch ihr eigenes aktives Handeln nicht in das Geschehen einzugreifen, dass sie durch diese Unterlassung den Mächtigen und den Machern zustimmen. Wenn diese Unterlasser dann in der Eckkneipe über “die da oben” motzen oder “die da oben” für schuldig erklären und jene Nichtwähler sagen, dass “man” eh nichts ändern könnte, dann ändern sie eben nichts. Auch diese Art des Handelns ist ein Handeln im politischen Sinne. Politische Macht kann nur dort entstehen, wo sie zugelassen wird und sei es durch Unterlassung. In der internationalen Politik kommen noch die unterschiedlichen Sozialisationen hinzu, so wie jeder einzelne Mensch in einem Staat mit einer Sprache noch einen gemeinsamen Grundkonsens in der eigenen Kultur hat, sind die unterschiedlichen Kulturen nochmal eine trennende Basis. Zamenhof schuf Esperanto aus durchaus politisch nachvollziehbaren Gründen. Aber selbst diese Sprachschöpfung ist durch die politische Macht alter Zeiten geprägt, da das römische Weltreich hierin seinen Niederschlag findet “Als 1914 eine jüdische Esperanto-Vereinigung gegründet werden sollte, antwortete Zamenhof ablehnend: Jeder Nationalismus bringe Schlechtes, daher diene er seinem unglücklichen Volk am besten, wenn er die absolute Gerechtigkeit unter den Menschen anstrebt.” [B]  Angesichts solcher Gedanken vor dem ersten und zweiten Weltkrieg ist es eigentlich schwer verständlich, wie es überhaupt zu den Katastrophen kommen konnte, die dann kamen. Das Handeln insbesondere politische Handeln steht auf keinem soliden Fundament. Es scheint egal was Rousseau oder Voltaire schrieben. Genauso befürchte ich, dass es egal ist, was Wittgenstein oder Popper schrieben oder Adorno oder Max Weber. Selbst wenn Angela Merkel oder Ursula von der Leyen solche Schriften gelesen haben mögen, letztlich sieht das Handeln nicht danach aus, dass die Grundlagen wirklich gesetzt sind. Ob man es nun Haskala, Aufklärung oder meinetwegen auch christliche Nächstenliebe nennt, es scheint keine Politik zu geben, die sich jemals danach ausgerichtet hätte.
Jeder Gedanke scheint schon gedacht zu sein und jede Handlung liegt irgendwo zwischen dem sokratischen Schierlingsbecher und dem cäsarischen gallischen Kriege. Zweifellos sind wir derzeit dem Kriege mit dem Bau von Drohnen näher als dass wir die schwarze Milch der Frühe trinken. Wolfgang Petersen meinte in einer Dokumentation zu amerikanischen Todeszellen, dass er als Deutscher nicht berechtigt sei, den Amerikaner zu belehren. Welche Schuld meint er denn als 4 jähriger 1945 noch gehabt zu haben? Wir passen uns also einer kriegerischen Politik mit Drohnenbau an, weil wir die anderen als moralisch überlegen betrachten? Die gemeinsame Sache ist das soziale Handeln, das auf Entscheidungen und Steuerungsmechanismen ausgerichtet ist, die allgemein verbindlich sind und das Zusammenleben von Menschen regeln.  [C]

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Von der Gesellschaft

Ein Zug fuhr durch die zerbombten Vororte Londons. Beeindruckt durch die Zerstörungen, kamen ein Brite und ein Australier auf die Idee einen Verein zu gründen um die Intelligenz für den Frieden und zum Wohle der Menschheit einzusetzen. Der Verein kam zustande, jedoch wurde es eher ein Rätsel- und Amüsierclub und klar sind nur gemessen an dem Quotienten die oberen 3 Prozent der Menschen fähig dort Mitglied zu werden. So wie man 1946 von den Gräueltaten des Krieges beeindruckt sein musste, bin ich ein Kind des kalten Krieges. Kaum war ich dort entwachsen schlitterte ich in den digitalen Krieg der Informationen. Selbst wenn wir heute sagen, wir hätten in Europa eine lange Friedenszeit, so stimmt das lediglich bezüglich des Mord und Totschlages und anderer Gräueltaten, die ihren Höhepunkt im zweiten Weltkrieg hatten. Trotz der Unvorstellbarkeiten, die damals begangen wurden, zeigte Serbien und der Kosovo, dass die Zivilisationsdecke so dünn ist, dass anscheinend jederzeit die vorhandenen kalten Kriege in das Töten von Menschen umschlagen kann. Es wird sogar noch schlimmer. Ursula von der Leyen wollte zunächst zensieren um dann, kaum ist sie Verteidigungsministerin, für Tötungsmaschinen zu plädieren. Wenn zwei gleichstarke Menschen in Urzeiten mit dem einer Steinklinge aufeinander los gingen und keiner rang den anderen nieder, dann mögen diese des Kampfes müde, möglicherweise schließlich Frieden miteinander geschlossen haben. Wenn ein Mensch einer Kampfdrohne begegnet, dann hat er nicht einmal ein menschliches Gegenüber und kann nur noch sterben. Er kann noch nicht einmal um Frieden oder Gnade betteln, er ist letztlich einer Maschine ausgeliefert, die ein Politiker geschickt hat.

Die Katastrophe ist, dass es jeweils intelligente Menschen sind, die solche Szenarien schaffen. Es ist die Intelligenz, die sich überhebt und meint in ihrem jeweiligen Denken recht zu haben. Aus denselben Gründen wurde es auch nichts mit dem Verein für den Frieden und zur Wohle der Menschheit, weil sich gerade die Intelligentesten am besten Streiten können und meinen in ihrer Überlegenheit eben überlegen zu sein. Intelligenz bedingt keine Ethik. Wer nun daher käme und meine der Durchschnittsmensch oder der Dumme sei die Lösung, der irrt. Gerade derjenige, der ständig unterlegen ist, mag sich eines Tages mit noch irrationaleren Gewalt seiner Haut erwehren und emotional gesteuert der Raserei verfallen. So mag es zum ersten Weltkrieg nur deswegen gekommen sein, weil sich der deutsche Kaiser eben minderwertig fühlte und es seiner überlegenen englischen Verwandtschaft einfach zeigen wollte.

So primitiv kann die Welt doch nicht sein, mag so manch Einer sich denken, und sie ist es wohl nicht. Doch auf der anderen Seite steht das Unverständnis. Die Barbarei des dritten Reiches passiert auf dem Hintergrund einer Gedankenwelt der Aufklärung, die im Bürgertum bekannt sein musste. Worte wie Demokratie, Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit waren und sind bekannt. Direkt nach dem Krieg entstand nicht grundlos eine Frankfurter Schule um Adorno und Horkheimer. Doch gerade heute habe ich das Gefühl, daß es umsonst war. Wir gerieren uns schon wieder nach einer Art und Weise, als ob die Worte alleine messbar wären. Die Natur- und Ingenieurswissenschaften scheinen die einzigen wahren Wissenschaften zu sein und die Wissenschaften, die vielleicht wirklich wichtig wären um menschliche Katastrophen zu verhindern,in die investieren wir keinen Cent. Bevor wir Geld in den nächsten Teilchenbeschleuniger investieren und als Abfallprodukt die Kampfdrohne in den Krieg schicken, sollten wir uns überlegen, wohin es mit der gemeinsamen Sache überhaupt gehen soll. Es soll eine nichteuropäische Kultur gegeben haben, die hatte einen quergelegten Stock als Tür akzeptiert und Diebstahl soll dennoch nicht stattgefunden haben. Die Maya, die gleichzeitig allerdings auch Menschenopfer gekannt haben Eine immer dickere Tür mag es dem Einbrecher zwar schwieriger machen, mag aber das grundsätzliche Problem nicht lösen. Immer mehr Daten zu sammeln um bessere Prognosemodelle des menschlichen Verhaltens zu erschaffen, löst nicht die gemeinsame Sache.